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Lasst uns über Essen reden: Teil 4 ketogene Ernährung

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Kommen wir in meiner kleinen Exkursion durch die Welt der Ernährungsmethoden mal in einen Bereich der ein kleines bisschen mehr Hardcore ist. Die ketogene Ernährung oder ketogene Diät ist eine der härtesten Versionen der Low-Carb Ernährung. Zurückgehend auf den amerikanischen Arzt Russel M. Wilder elimiert diese Art der Ernährung den Kohlenhydratanteil fast gänzlich von der Speisekarte.
Ketonkörper als Brennstoff

Um überhaupt dahin zu kommen wie das funktioniert mit der Energiezufuhr im Körper braucht es allerdings ein kleines bisschen Vorwissen. Um Energie zu gewinnen wandelt unser Körper Kohlenhydrate in Glukose, also Zucker um. Die Glukose die aktuell nicht gebraucht wird speichert der Körper in einer Glukoseabwandlung dem Glykogen. Erst wenn diese beiden Möglichkeiten der Energiegewinnung erschöpft sind beginnt die Leber damit Fettsäuren zu so genannten Ketonkörpern umzuwandeln welche wiederum vom Stoffwechsel zur Energiezufuhr verwendet werden können.  Der angestrebte Zustand der ganzen Sache nennt sich dann Ketose. Es geht also darum den Körper in einen Zustand zu versetzen in dem er die Energie zum Großteil aus Fett gewinnt.

Schluß mit süß

Den Körper in einen Ketogenen Zustand zu versetzen ist keine ganz leichte Sache. Die Ketogene Diät besteht zu 70% aus Fetten, 20% aus Proteinen und dementsprechend nur zu einem Hauch aus Kohlenhydraten. Damit sind jegliche Form der Getreideprodukte schonmal vom Tisch, über Honig, Zucker, Obst also alles was auch nur Ansatzweise süß ist wird in absehbarer Zeit nicht mehr auf den Tisch kommen. Das ganze basiert, wenn man es denn ganzheitlich Angehen will auf maßgeblich Fetthaltigen Nahrungsmitteln wie Avocados, Käse, fettem Fisch wie Hering, Sahne und Butter.

Keine reine Abnehmdiät

Die Ketogene Ernährungsweise ist tatsächlich weniger eine Lifestyle Ernährung für angehende Bikini Models, sondern sie ist vielmehr eine Therapiebegleitende Diät. Sie wird vornehmlich als Therapieverfahren vor allem bei Kindern mit Epilepsie und Glukosetransportstörung eingesetzt. Weiterhin gibt es aktuell erste Wissenschaftler die sich mit der Auswirkung der ketogenen Ernährung bei Krebspatienten auseinandersetzen. Das ganze ist auf den ersten Blick gar nicht so weit hergeholt wie es sich für das ungeschulte Auge im ersten Moment liest. Denn wie alle Zellen im Körper versorgt sich auch die Tumorzelle mit Energie aus Glucose, im Gegensatz zur gesunden Körperzelle jedoch verstoffwechselt die Tumorzelle die Glucose nicht in einer aeroben Glykolyse also in Verbindung mit Sauerstoff sondern sie schließt den Sauerstoff aus und vergärt den zucker. Das ist zwar weniger effektiv, dies kompensiert sie aber dadurch, dass sie einfach 20-30 mal mehr Glucose aufnimmt als die gesunde Körperzelle. Der Ansatz ist also die Tumorzelle dahingehend zu schwächen, dass man sie schlicht und ergreifend aushungert. Denn die Tumorzelle hat zwar tatsächlich einen eigenen Stoffwechsel, dieser ist allerdings bei weitem nicht so komplex wie unser Körperstoffwechsel und dementsprechend kann sie mit Proteinen und Fetten nicht viel anfangen. Das ganze scheint auf jeden Fall ein vielversprechender Ansatz zu sein, allerdings gibt es aktuell noch keine Langzeitstudien dazu.

Schwer Durchzuhalten

Im ersten Moment mag es verlockend klingen sich ausschließlich von Fetten und Proteinen zu Ernähren. Schnell schweben einem Bilder von großen Schinken und Haxen vor. Allerdings zeigt sich, dass es tatsächlich nicht ganz ohne ist sich alleine auf diese Nahrungsmittel zu konzenrieren. Denn es zeigt sich, dass Menschen anfangen Unbehagen bei Gewissen Lebensmittel zu empfinden wenn diese im Übermaß zugeführt werden. Und seien wir doch mal ehrlich. Ein Weihnachten komplett ohne Kekse? Diese Konsequenz muss tatsächlich da sein, denn wenn man im Zustand der Ketose anfängt wieder Kohlenhydrate zuzuführen dann ist der Effekt weg und muss durch Neuaufbau der Diät erst wieder mühseelig herbeigeführt werden.

Nichts für den Aufbau?

Wer sich für eine Ketogene Lebensweise entscheidet muss sich zwangsläufig mit der Wissenschaft dahinter auseinandersetzen. Kraftsportler werden aller Warscheinlichkeit nicht viel Freude daran haben. Die Sache ist die, die Zufuhr von Kohlenhydraten bewirkt unter anderem die Ausschüttung des Hormons Insulin. Insulin ist ein sog. „schiebendes Hormon“ das bedeutet es öffnet die Zelle damit eben die durch Kohlenhydrate erzeugte Glucose in die Zelle eintreten kann. Bei dieser Öffnung strömen mit der Glucose zusammen auch andere Nährstoffe wie Aminosäuren und Proteine mit in die Zelle. Dieser Effekt wird unter anderem von den sog. Weight Gainern genutzt. Diese kombinieren meist verschiedene Proteinformen mit unterschiedlich schnellen und langsamen Kohlenhydraten um eben eine langanhaltende Insulinfreigabe und damit eine entsprechend lange Aufnahmezeit zu ermöglichen.

Aufgrund dieser Insulinminderproduktion in der „klassischen“ ketogenen Ernährung wäre es für den Kraftsportler welcher ja an einem Zuwachs der Muskulatur interessiert ist notwendig die Ernährung entsprechend um eine für ihn passende Menge Kohlenhydrate zu ergänzen. Sinnvoll ist das im anabolen Fenster welches (da scheiden sich die Geister, wie so oft wenn es um Ernährung und Sport geht) in einem Bereich zwischen 60 und 120 Minuten nach dem Training offen ist.

Mein Fazit

Ich persönlich halte die ketogene Ernährung für eine sehr interessante Idee. Allerdings ist sie nicht ohne! Mit Sicherheit kann man mit einer ketogenen Ernährung Fortschritte machen was den Fettabbau betrifft. Wer sich ein bisschen mit Bodybuildung Wettkämpfen und der Vorbereitung darauf auseinandergesetzt hat der wird wissen was ich meine. In dieser zeit reduzieren Ahtleten ihre Kohlenhydrate drastisch. Viele streichen dabei allerdings auch den Fettanteil und die allermeisten manipulieren an ihrem Wasserhaushalt. Das ganze führt dazu, dass sie wenn alles läuft wie geplant, super definiert auf der Bühne stehen. Die Muskulatur ist „trocken“ von der Optik. Das bedeutet die Atlethen sind so definiert, dass man die Streifen in der Muskulatur erkennen kann. Diese Form hält allerdings nur maximal einige Stunden an und bringt wiele Sportler an den Rand eines ernsthaften Kollapses. Ähnlich kann es einem ergehen wenn man es mit dieser Ernährungsform übertreibt. Die Kohlenhydrate zu reduzieren ist die eine Sache, aber sie nahezu gänzlich zu streichen ist ein drastischer Schritt und dieser will wohl überlegt, geplant und am besten auch ärztlich überwacht sein. Vor allem wenn man in einen „gesunden“ Zustand der Ketose kommen will. Diabetiker kennen als eine der schlimmsten Komplilationen das sog. ketoazidotische Koma, bei diesem kommt es auch zu einer überschiessenden Ketonkörper Produktion aufgrund von Glukosemangel und führt nach dem Kollaps ohne entsprechende ärztliche Behandlung zum Tod. Eine weitere Gefahr die ich sehe wenn man sich nicht adäquat Informiert und Vorbereitet ist, dass man in eine sehr stark einseitige Ernährung abrutscht die im Endeffekt zu einem Nahrungsportfolie führt welches aus Mortadella, Käse und MCT Öl besteht. Damit werden dem Körper Vitamine und Ballaststoffe vorenthalten welche unter anderem für ein gutes Immunsystem notwendig sind. Meschen die aus medizinischen Menschen ketogen Leben tun dies meist mindestens zwei Jahre oder länger um einen entsprechenden Therapieerfolg zu erreichen. Diese Berichten durchaus nicht selten von Nebenwirkungen wie Durchfall oder Verstpfung und Nierensteinen. Sicherlich sind diese Nebenwirkungen mit Medikamenten in den Griff zu bekommen, allerdings sehe ich eine Ernährungform welche davon geprägt ist das ich Medikamente nehmen muss als keine dauerhaft befriedigende Lösung an, wenn sie nicht zwingend medizinisch Notwendig ist. wer sich also ketogen Ernähren möchte der spricht das ganze bitte zu allererst mit seinem Arzt durch und sucht sich danach einen Ernährungsberater er ihn durch diesen Prozess begleitet!

 

Quellen:
– NZZ Kohlenhydratarme Ernährung als Therapie (https://www.nzz.ch/kohlenhydratarme-ernaehrung-als-therapie-1.670055)
– NDR – Wie ketogene Ernährung helfen kann (http://www.ndr.de/ratgeber/gesundheit/Wie-ketogene-Ernaehrung-helfen-kann,ketogeneernaehrung101.html)
– ZDG – Die Vorteile einer kohlenhydratarmen Ernährung (https://www.zentrum-der-gesundheit.de/kohlenhydratarme-ernaehrung-ia.html)
– UGB: Ernährung bei Krebs (https://www.ugb.de/ernaehrungsberatung/ketogene-diaet-ernaehrung-bei-krebs/)
– Onmeda: Ist ketogene Ernährung gesund? (http://www.onmeda.de/g-ernaehrung/ketogene-ernaehrung-3365.html)
– Wikipedia: (https://de.wikipedia.org/wiki/Ketogene_Di%C3%A4t)

 

 

Autor: frshone

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